Nur wenige Kilometer lang und bescheiden in der Ausstattung brachte die Sernftalbahn Bewegung in das Glarner Kleintal.

Obwohl sie nur wenige Jahrzehnte (1905-1969) Bestand hatte, um dann durch wirtschaftlich effizientere Massenverkehrsmittel ersetzt zu werden, krempelte die kleine Schmalspurbahn das Leben im Kleintal gehörig um. Denn mit der Bahn hielt die Moderne Einzug ins Tal. Sie stellte eine Verbindung zum Grosstal her und spurte dem seit der Wende zum 20. Jahrhundert aufkommenden Alpintourismus einen bequemen Weg. Sie brachte Elektrizität und erste Telefondrähte ins Kleintal, schuf begehrte Arbeitsplätze, brachte Leute aus dem Tal an die Standorte der Textilindustrie; mit ihr wurden diverse Güter zwischen dem Klein- und Grosstal hin- und hergeschickt: Schiefer, Heu, Kühe, Pflastersteine und vieles mehr.

Die Ausstellung «Ein Bergtal in Bewegung» im ehemaligen Stationsgebäude lässt das «Bähndli», wie die Sernftalbahn von den Talbewohnerinnen und -bewohnern liebevoll genannt wurde, aufleben: Der stillgelegte Bahnschalter wird wieder in Betrieb genommen, im ehemaligen Wartsaal treffen Geschichten von Einheimischen und von weitgereisten Feriengästen aufeinander; hinter der Theke schaut man den einstigen Bahnangestellten bei der Arbeit über die Schulter und im Güterschuppen stapelt sich das Frachtgut, das zu Tal befördert werden will. Draussen auf dem Stationsgelände laden die leuchtend roten Triebwagen ein zur virtuellen Bahnfahrt durchs Sernftal.

Die Eröffnung des neuen Sernftalbahn-Museums ist für das Frühjahr 2022 geplant.

Die beiden historischen Triebwagen im Stationsensemble Elm am 30. September 2020. Bild: Comet Photoshopping GmbH, Dieter Enz